Executive Summary.

1838 von Johann Kon­rad Bech­ter als Gerichts­sitz erbaut, mehr­fa­che Besitzerwechsel.
Seit 3 Genera­tio­nen wir­ten die Nat­ters. Seit 2005 Hele­ne Nußbaumer-Natter und Diet­mar Nußbaumer.

Geschichte für Geschichtsfreunde.

Aus dem Leben der Kronenwirtinnen.

Und dem Erbauers der Krone.

Ära Hele­ne und Diet­mar (seit 2005) – erzählt von Hele­ne Nussbaumer-Natter

Weil in einem Betrieb unse­rer Grö­ße sehr vie­les von den Wirts­leu­ten und ihrem Zusam­men­wir­ken abhängt, begin­ne ich damit, wie Diet­mar und ich zusam­men­ge­kom­men sind.

Begeg­net sind wir uns schon sehr früh, als ich 15 war, ich ging in die Hotel­fach­schu­le in Inns­bruck und wir sind ein paar Mal als Grup­pe gemein­sam aus­ge­gan­gen, haben uns dann aber lan­ge Zeit nicht gese­hen. Diet­mar arbei­te­te dann 10 Jah­re in Lech als Direk­ti­ons­as­sis­tent, ich nach der Hotel­fach­schu­le 1997 auch – eigent­lich hat­ten wir fast Blick­kon­takt, haben uns aber den gan­zen Win­ter nicht gese­hen. Getrof­fen haben wir uns dann wie­der bei einer Ver­an­stal­tung in Wol­furt – wir rät­seln heu­te noch ob das Zufall oder Schick­sal war. Seit­her sind wir zusam­men. Zuerst pri­vat, spä­ter auch geschäftlich.

Diet­mar hat in der Kro­ne im Ser­vice begon­nen und ist nach und nach in die Fami­lie, den Betrieb und den Ort hin­ein­ge­wach­sen. Über­nom­men haben wir die Kro­ne 2005, aber ich den­ke, wirk­lich – gedank­lich und emo­tio­nal – über­nom­men haben wir mit unse­rem ers­ten Umbau im Herbst 2007.

Seit­her lau­fen die Uhren schnel­ler – inzwi­schen haben wir fast alle Hotel­zim­mer gemein­sam mit unse­rem Freund und Archi­tekt Ber­nar­do Bader und den Hand­wer­kern der Regi­on umge­baut, die Stu­ben, die Rezep­ti­on und den Hotel­ein­gang, das Kamin­zim­mer und außer­dem sind wir seit­her um 2 Leu­te mehr: unse­re Buben Oskar und Max brin­gen ordent­lich Schwung in den Laden ;-).

Wir enga­gie­ren uns kul­tu­rell mit unse­rem Lese­sa­lon, den Mar­cel Proust-Tagen, der „Zu Gast in der Krone“-Reihe und sons­ti­gen Koope­ra­tio­nen. Diet­mar bringt gemein­sam mit Flo­ri­an Aicher die Edi­ti­on Kro­ne eine klei­ne Buch­rei­he zu The­men rund um unser Haus – her­aus. Mir war sehr wich­tig, dass die Kro­ne ein Bio­ho­tel wird, das ver­lan­gen die­se Zei­ten, denn der öko­lo­gi­sche Fuß­ab­druck unse­rer Bran­che ist groß und wir sind ger­ne einer der Rei­se­desti­na­tio­nen, wo man mit gutem Gewis­sen urlau­ben kann.

Ich den­ke, Diet­mar und ich sind ein gutes Team: Diet­mar ist der Krea­ti­ve und ein Gast­ge­ber mit Leib und See­le. Ich bin ger­ne im Hin­ter­grund (am liebs­ten ganz hin­ten in der Patis­se­rie, weil ich Des­serts ein­fach lie­be!), eine gute Team­playe­rin und Gesprächs­part­ne­rin für unse­re Mit­ar­bei­te­rIn­nen. Wir haben bei­de einen hohen Qua­li­täts­an­spruch und sind konsequent.

Wo man unse­re bei­den Per­sön­lich­kei­ten viel­leicht auch ganz gut sieht, ist, wenn man vor unserem

„Krömle-Kasten“ steht, in dem wir Mit­bring­sel ver­kau­fen: von mir sind die haus­ge­mach­ten Mar­me­la­den, die mit einer Kräu­ter­frau in Alber­schwen­de ent­wi­ckel­ten Kronentee-Mischungen, Kek­se aus unse­rer Back­stu­be, schö­ne Ker­zen usw., von Diet­mar sind die Bücher – die edi­ti­on kro­ne, das werk­raum kro­ne Buch – das unse­ren ers­ten Umbau doku­men­tiert und auch Rezep­te aus der Kro­nen­kü­che ent­hält – sowie wei­te­re, aus­ge­wähl­te Bücher aus der Region.

Stolz bin ich dar­auf, dass wir mit den bei­den gro­ßen Umbau­ten (2007 und 2010) sowie dem Sau­na­bau 2018 noch heu­te viel Freu­de haben, ich wer­te das als Zei­chen für gut­über­leg­te Ent­schei­dun­gen. Und ich bin sehr stolz dar­auf, dass wir vie­le Mit­ar­bei­ter haben, die uns seit Jah­ren treu sind – Bea­te und Ema­nue­la seit fast 30 Jah­ren, Johan­na, Fat­ma und Figen seit mehr als 10 Jah­ren usw. – das ist ein­fach schön!

Auch auf Gäs­te­sei­te gibt es sehr vie­le Men­schen, die immer wie­der zu uns kom­men – teil­wei­se schon, seit ich sel­ber ein Kind war. Außer­dem freut es mich jeden Tag, wenn das haus­ge­mach­te Brot und die Kuchen im Back­rohr auf­ge­hen. Am wich­tigs­ten ist mir aber, dass wir uns als Fami­lie – alle drei Genera­tio­nen Nuss­baum­ers und Nat­ters – gut ver­ste­hen und zusammenstehen.

Ära Wilma und Herbert (1971 bis 2005)

erzählt von Wil­ma Natter 

Ken­nen­ge­lernt haben Her­bert und ich uns auf einem Niko­laus­kränz­le des Jun­gen Gast­ge­wer­be in Blu­denz – er hat mich zum Tan­zen auf­ge­for­dert. Was mich gefreut hat, denn er war mir davor schon auf­ge­fal­len. Her­bert war damals Kas­sier beim Jun­gen Gast­ge­wer­be, er saß in einem noblen Anzug am Ende einer lan­gen Tafel und rauch­te. Das war 1969.

Am Tag nach dem Niko­laus­kränz­le hat Her­bert dann schon im Engel in Schwarz­ach, mei­nem Eltern­haus, Kaf­fee getrun­ken. Mein Vater war von Her­bert, der 11 Jah­re älter ist als ich, gleich ange­tan – er hat immer gemeint „Ein Mann unter 30 ist ein „Trüllar“ – also ein Tau­ge­nichts – und er schätz­te Her­berts gute Manie­ren und sei­nen tro­cke­nen Humor.

Ich erin­ne­re mich noch gut an einen mei­ner ers­ten Besu­che in der Kro­ne: Am Abend war eine Hoch­zeit im Kro­nen­saal ange­mel­det und ich wur­de auf die Ter­ras­se gebe­ten: dort hat man mir eine Bos­ni­sche Tor­te (die bis heu­te nach dem­sel­ben Rezept geba­cken wird) und Kara­mellcreme (die für den Abend vor­be­rei­tet war) ser­viert, es war wun­der­bar. Mir ist auf­ge­fal­len, dass es eine sehr gepfleg­te Küche gab, alles picobello-sauber war, aber auch etwas nüch­tern, es gab kaum Blu­men im Haus. Da hät­te ich ger­ne gleich deko­riert. Etwas spä­ter habe ich dann manch­mal in der Kro­ne im Ser­vice aus­ge­hol­fen. Beson­ders in Erin­ne­rung ist mir ein Faschings­ball, der für mich eher ein Spieß­ru­ten­lauf war. Ich wur­de vom gan­zen Dorf „gemus­tert“.

Wich­ti­ge Ereignisse

1971 haben wir geheiratet.

1972, also ziem­lich bald nach der Hoch­zeit, haben wir die Kel­ler­bar auf­ge­macht. Das war damals schon etwas Beson­de­res… unser per­sön­li­ches Junges-Gastgewerbe-Projekt, in der Zeit waren Cock­tails wie „Welt­frie­den“ und „Moc­caf­lip“ en Vogue und wir hat­ten einen pro­fes­sio­nel­len Bar­kee­per vom Arl­berg. Die Kel­ler­bar der Kro­ne war die ein­zi­ge Bar im Dorf, mit allen Vor- und Nach­tei­len, die das mit sich bringt…

1973 kam unse­re Toch­ter Isa­bel­la zu Welt, die heu­te als Inno­va­ti­ons­be­ra­te­rin selb­stän­dig ist und mit ihrer Fami­lie in Lin­ge­nau – also in der Nähe — wohnt.

Es klingt viel­leicht lus­tig, aber eine gro­ße Sache war für uns die Sala­det­te, die wir 1973 ange­schafft haben – also einen gekühl­ten Salat-Schrank, der damals unver­schämt teu­er war, aber wirk­lich bis heu­te im Ein­satz ist! Wir waren am Ruhe­tag öfters in der Schweiz zum Essen, dort gab es schon

Roh­kost­sa­la­te, wäh­rend bei uns noch alles gekocht war. Ich habe immer viel Wert auf den Salat gelegt und den­ke bis heu­te, dass die Art und Wei­se, wie Salat zube­rei­tet wird, viel über eine Küche aussagt.

1976 kam unse­re Toch­ter Hele­ne zu Welt.

Das war auch geschäft­lich ein sehr wich­ti­ges Jahr für Her­bert und mich: Die Bäl­le waren kein Geschäft mehr und der Saal­be­trieb war ins­ge­samt pro­ble­ma­tisch: für die Nach­barn, für die Gäs­te im Haus und für uns als jun­ge Fami­lie auch. Wir haben also schwe­ren Her­zens den Kro­nen­saal abge­ris­sen – de fac­to das hal­be Haus – und Gäs­te­zim­mer mit ins­ge­samt 35 Bet­ten gebaut, ein Hotel mit Lift, Rezep­ti­on, Kamin­zim­mer. Ich erin­ne­re mich noch leb­haft an die Bespre­chun­gen mit Bau­lei­ter Wal­ter Hau­ser – Hele­ne lag im Kin­der­wa­gen und wir berat­schlag­ten vie­le Aben­de lang.

Ab 1977 galt es, das Haus zu fül­len. Wir hat­ten zuvor schon ein­zel­ne Gäs­te aus dem Elsass gehabt, die begeis­tert vom Bre­gen­zer­wald waren und wir dach­ten: gute Distanz, net­te Men­schen, das wäre ein Markt. Also sind wir gemein­sam mit Ger­trud und Otto Seiz vom Ifen­blick in Sibratsgfäll dann ein­fach in der Zwi­schen­sai­son ins Elsass gefah­ren und sind bei Rei­se­bü­ros vor­stel­lig geworden.

Das hat uns dann bus­se­wei­se gute Gäs­te gebracht und durch Wei­ter­emp­feh­lun­gen im Elsass auch Betriebs­aus­flü­ge von che­mi­schen Labors, Raf­fi­ne­rien, Ver­ei­nen und Seniorengruppen.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Part­ner wur­de etwas spä­ter das hol­län­di­sche Bus­un­ter­neh­men Leo Thys­sen, das über vie­le Jah­re Grup­pen ins Haus brachte.

Ende der Acht­zi­ger brach der qua­li­ta­ti­ve Bus­tou­ris­mus ein – der Preis­kampf begann, es war kei­ne lus­ti­ge Zeit. Wir muss­ten sehr bil­lig anbie­ten und hat­ten bald schon zwei Früh­stücks­buf­fets – eines für die Bus­rei­sen­den und eines für die Privatreisenden.

Wir haben dann kon­se­quent dar­an gear­bei­tet, nur mehr Pri­vat­gäs­te zu bekom­men – eine har­te Zeit. Hilf­reich war dabei unse­re gute Küche, Fami­li­en­fes­te, Essens­gäs­te die uns wei­ter­emp­foh­len haben und nach und nach haben sich pri­va­te Hotel­gäs­te eingefunden.

Ab 1992

Im Novem­ber kam der Wein­händ­ler Wal­ter Amann zum Gespräch und gra­tu­lier­te zur Hau­be, einer Aus­zeich­nung im gera­de erschie­ne­nen Gour­met­füh­rer Gault Mil­lau – wir wuss­ten nichts davon, denn wir wur­den auch nicht gefragt, ob wir uns tes­ten las­sen wol­len! Wir waren total über­rascht und haben uns sehr gefreut! Danach kamen vie­le Köche zum Essen, zB. Ernst Huber, damals sicher der bekann­tes­te Spit­zen­koch Vorarlbergs.

Eigent­lich hat­ten wir immer schon vie­le Wirts­kol­le­gen als Gäs­te. Es war nie so ein Kokur­renz­den­ken – dazu hat Her­bert mit sei­nem tro­cke­nen Humor und sei­ner Kor­rekt­heit viel bei­getra­gen. Köche und Wir­te sind sehr gute Gäs­te, wir haben das immer sehr geschätzt!

2005

In die­sem Jahr haben unse­re Toch­ter Hele­ne und unser Schwie­ger­sohn Diet­mar die Kro­ne über­nom­men. Wir sind sehr dank­bar und froh, dass unser Lebens­werk in der Fami­lie bleibt und sich so gut wei­ter­ent­wi­ckelt. Wir woh­nen ja schon längst nicht mehr in der Kro­ne, sind aber trotz­dem mehr­mals pro Woche dort und hel­fen dort und da ger­ne aus.

Über das Kochen

Wir sind viel gereist und haben jedes Jahr Inspi­ra­tio­nen gesam­melt. Zuhau­se haben wir es dann umge­setzt bzw. über­setzt – mit hei­mi­schen Zutaten.

1984 mach­te Edgar Hus­ser aus dem Elsass Urlaub in der Kro­ne – er führ­te die Auber­ge d’Arzenheim, ein sehr gutes Restau­rant. Ich konn­te dort dann eine Woche auf „sta­ge“ in die Küche und habe gelernt, Fisch zu kochen und auch sonst vie­les mit­ge­nom­men, was bei uns so noch nicht bekannt war.

Inspi­ra­tio­nen gesam­melt haben wir über die vie­len Jah­re im Tes­sin, Elsass, Fri­aul, Tos­ka­na, Pie­mont, Umbri­en, Ligu­ri­en, Cin­que­terre, Rom, Kana­ri­sche Inseln, Aus­tra­li­en, Thai­land, Sin­ga­pur, Hong­kong, aber auch auf Kur in Wal­ters­dorf und Rakersdorf.

Beein­druckt hat uns immer das, was vor Ort gekocht wur­de, die ein­fa­che Lan­des­kü­che: gedämpf­te Zwie­bel mit Mais­brei, der gan­ze Fisch im Salz­teig oder Sama-Fisch mit rosa Knob­lauch gedämpft auf den Kan­ara­en, Stock­fisch mit Toma­te in Luc­ca, im Gan­zen mit Kräu­tern gebra­te­nes Kitz im Fri­aul, Fen­chel­sa­lat mit Oran­gen, Zitro­nen­eis mit Wald­erd­bee­ren in der Tos­ka­na, Meer­fisch in Weiß­we­in­fond mit dem ers­ten Char­don­nay in Australien, ….

Dar­auf bin ich stolz:

Dass wir in der Fami­lie gut aus­kom­men – dass wir für­ein­an­der da sind. Dass wir gute Nach­fol­ger haben. Dass unse­re Töch­ter bei­de ihren Weg gehen. Und natür­lich sind wir sehr stolz auf unse­re vier Enkel, die alle ganz wun­der­ba­re klei­ne Per­sön­lich­kei­ten sind.

Her­bert und ich haben immer zusam­men­ge­hal­ten – wenn wir mit­ein­an­der tun kön­nen, dann schaf­fen wir alles! Wir sind bei­de Genuss­men­schen und auf sehr unter­schied­li­che Arten krea­tiv und haben Ideen.

Mein Wunsch war immer, dass wir ein guter Land­gast­hof sind und blei­ben kön­nen, kein schi­ckes Hotel. Ein guter Land­gast­hof, wo jeder sich wohl­fühlt. Ich mag es nicht, wenn man die Leu­te „siebt“. Das haben wir in unse­rer Kro­nen­zeit gut geschafft.

Ära Apollonia und Walter Natter (1930 bis 1965)

1930 kauf­ten die Brü­der Oskar und Wal­ter Nat­ter, in deren Besitz sich bereits die Post in Bezau befin­det, die Hit­ti­s­au­er Kro­ne von der Fami­lie Läs­ser aus Alber­schwen­de. Bald dar­auf tei­len sich die Brü­der die Häu­ser auf, und Wal­ter (1899 bis 1971) über­nimmt die Kro­ne. Aus der Küche der Post holt er sich eine ver­sier­te Köchin. Es kommt, wie es kom­men muss, und man fei­ert Hochzeit.

Appo­lo­nia, genannt Plo­ne (1907 bis 1980) reiht sich ein in die Lis­te der prominenten
Kro­nen­wir­tin­nen. Auf Wunsch ihres Gat­ten trug sie übri­gens jahrein-jahraus die Bre­gen­zer­wäl­der Tracht, selbst im Som­mer bei der schweiß­trei­ben­den Arbeit am gro­ßen Holzherd.

1934 kommt Toch­ter Eri­ka zur Welt. Bald ist sie als rech­te Hand ihrer Mut­ter über­all in der Kro­ne anzu­tref­fen. Noch bevor ihr drei Jah­re jün­ge­rer Bru­der Her­bert das Haus über­nimmt, amtiert sie eini­ge Zeit lang als Kronenwirtin.

Lang­sam kommt das Geschäft nach dem Krieg wie­der in Fahrt. An den Sonn­ta­gen fül­len sich die Stu­ben zum Früh­schop­pen. Man trinkt Limo­na­de, Fla­schen­bier (Fäs­ser lie­fert die Braue­rei nur an hohen Fest­ta­gen), Wein: Kal­te­rer, Lag­rein Kret­zer, Gum­polds­kirch­ner. Kriegs­flücht­lin­ge aus dem Osten logie­ren im drit­ten Stock, ab und zu gibt es eine Hoch­zeit, einen Leichenschmaus.

1947/48 fin­den ers­te Bäl­le statt: die bes­se­ren Herr­schaf­ten fah­ren im Schlit­ten vor, Stall­knech­te span­nen aus, ver­sor­gen die Ros­se, über dem Stall (heu­te Hotel­trakt) wird getanzt, in den Stu­ben geschmaust: Schnit­zel, Schweins­bra­ten, Hack­bra­ten, Brat­würs­te mit Sauer­kraut. Die Ver­sor­gung mit regio­na­len Pro­duk­ten war damals mehr als ein Marketing-Schlagwort: es war eine not­wen­di­ge Selbstverständlichkeit.

Mit­te der 1950er Jah­re wur­de das Herrren- und das Süd­ti­ro­l­erzim­mer zu einem Spei­se­saal umge­baut. 1952 ent­steht aus dem Gerä­te­schup­pen im hin­te­ren Teil der Kro­ne der Saal: hier fin­den die berühm­ten Mittwoch-Tanzabende statt – über Jah­re hin­weg die wich­tigs­te Part­ner­bör­se des Vor­de­ren Bregenzerwaldes.

Johann Konrad Bechter

(11. 5. 1796 – 17. 5. 1845)
Bau­er, Bau­herr, Bürgermeister
Aus Auf­zeich­nun­gen von Dr. Anton Stöckler

Kon­rad Bech­ter kam als Sech­zehn­jäh­ri­ger im Jah­re 1812 mit sei­ner Mut­ter von Lin­ge­nau nach Hit­ti­s­au. Sein Vater war 1802 ver­stor­ben, eben so sei­ne 5 Geschwis­ter bereits im Klein­kind­al­ter. Mut­ter und Sohn ver­kauf­ten ihr Heim­an­we­sen in Lin­ge­nau und erstan­den mit dem Erlös ein Anwe­sen in Hittisau.

Der schon früh selb­stän­di­ge jun­ge Mann kauf­te 1814 das gegen­über­lie­gen­de Gast­haus „Son­ne“ samt dem dazu­ge­hö­ri­gen Bau­ern­hof. 1820 erwarb er ein wei­te­res angren­zen­des Gehöft. Mit 20 Jah­ren hei­ra­te­te er 1816 die um sie­ben Jah­re älte­re Kris­ti­na Hag­spiel vom Gast­haus „Hir­schen“. Die­se muti­gen und in der dama­li­gen Zeit unge­wöhn­lich frü­hen Schrit­te fan­den in einer wirt­schaft­lich äußerst schwie­ri­gen Zeit statt.

Von 1816 bis in den Som­mer 1818 hin­ein waren extrem schnee­rei­che und lan­ge Win­ter, kal­te und ver­reg­ne­te Frühlings- und Som­mer­mo­na­te zu über­ste­hen, die zu einer gro­ßen Lebens­mit­tel­knapp­heit führ­ten, wel­che letzt­lich nur durch Getrei­de­lie­fe­run­gen aus Ägyp­ten zu über­brü­cken waren.

Zwi­schen 1817 und 1820 brach­te Kris­ti­na Bech­ter fünf Kin­der zur Welt, von denen drei im Säug­lings­al­ter ver­star­ben. Indes­sen wur­de ihr Mann zum Bau­herrn in gro­ßem Stil. Er bau­te das Gast­haus „Son­ne“ neu auf und füg­te im ers­ten Stock einen Tanz­saal hin­zu. Der unte­re Teil des Hau­ses steht noch heu­te. An ers­ter Stel­le aber war Kon­rad Bech­ter Bau­er. Er rich­te­te in Hittisau- Rain eine flo­rie­ren­de Land­wirt­schaft ein. Schon damals war in ers­ter Linie gute Milch­leis­tung gefragt und Kon­rad Bech­ter war ein aus­ge­zeich­ne­ter Exper­te in Sachen Vieh­kauf und –han­del. Er wur­de in eine aus­ge­spro­che­ne Blü­te­zeit guter Milch­ver­wer­tung hin­ein­ge­bo­ren und nütz­te die­se Chance.

Grund­la­ge waren u.a. die guten Absatz­mög­lich­kei­ten für Käse auf dem rie­si­gen Gebiet der k.u.k. Monarchie.

Beson­de­res Glück hat­te Bech­ter auch im Erwerb von Alp­an­tei­len von sei­ner kin­der­lo­sen Ver­wandt­schaft. Für sei­ne weit vor­aus­pla­nen­de und großzügig-moderne Alp­wirt­schaft bau­te Bech­ter gro­ße Stal­lun­gen und Wirt­schafts­ge­bäu­de auf den schwer erreich­ba­ren Alpen. Auf der Alpe Ober­bal­der­schwang etwa riss Bech­ter die alten Hüt­ten nie­der und errich­te­te ein Stall­ge­bäu­de für 100 Kühe. Nach und nach wur­de er zum größ­ten Land­wirt und Alp­be­sit­zer im gan­zen Bregenzerwald.

Es war nur eine Fra­ge der Zeit, bis der erfolg­rei­che Land­wirt auch im öffent­li­chen Leben sei­ner Gemein­de eine ent­spre­chen­de Rol­le über­nahm. 1827 wähl­ten die Hit­ti­s­au­er den jun­gen Öko­no­men Kon­rad Bech­ter zum Vor­ste­her (= Bür­ger­meis­ter); die­se Funk­ti­on übte er nun bis zu sei­nem frü­hen Tod im Jahr 1845 aus. Zuneh­men­de Vieh- und Käse­ex­por­te sowie das Bevöl­ke­rungs­wachs­tum all­ge­mein beding­ten drin­gend Neue­run­gen im Verkehrswesen.

Mit gro­ßem Eifer for­cier­te Bech­ter den Bau der Gschwendto­bel­brü­cke über die Sub­er­sach durch die der Vor­derb­re­gen­zer­wald an die Stra­ße von Alber­schwen­de nach Egg und in den Hin­ter­wald Anschluss bekom­men soll­te. Ing. Alo­is Negrel­li (der spä­te­re Suez­ka­nal­pla­ner), der damals Bau­in­ge­nieur beim Kreis­amt Bre­genz war (und vie­le wert­vol­le Plä­ne für Vor­arl­berg erstell­te), leg­te auch einen sol­chen für die Gschwendto­bel­brü­cke vor und Bech­ter half 1833–1835 eif­rig mit bei der Rea­li­sie­rung die­ses drin­gen­den Vor­ha­bens. (Die­se Brü­cke ist eine der weni­gen noch erhal­te­nen gedeck­ten Holzbrücken).

Mit dem­sel­ben Eifer unter­stütz­te Bech­ter auch den Kreis­haupt­mann Ebner gegen alle Wider­stän­de um den Bau der Schwarz­acht­o­bel­stra­ße, die 1835–1837 für die Ver­bin­dung Rheintal- Bre­gen­zer­wald eine sehr wert­vol­le Erleich­te­rung brach­te. Bech­ter sprach für die Vord­er­wald Gemein­den bei zur Ver­fü­gung stel­len von 90.000 Gul­den für die genann­ten Stras­sen­pro­jek­te, wofür ihm das Ver­spre­chen gege­ben wur­de, dass im Anschluss auch die Ver­bin­dung Müselbach-Lingenau rea­li­siert wer­de. Dies wur­de jedoch noch um Jah­re verzögert.

Letzt­lich sind es zwei Bau­ten direkt am Dorf­platz, die für Bech­ters nach­hal­ti­gen Ruhm sor­gen. Zum einen natür­lich die Pfarr­kir­che (1843 – 1845), und direkt vis-à-vis der Gast­hof Kro­ne (1838), den Bech­ter ursprüng­lich als Sitz eines Land­ge­richts vor­ge­se­hen hat­te: einer der vie­len Wün­sche des rast­lo­sen Vor­ste­hers, die nicht in Erfül­lung gin­gen. Die Kir­che selbst, fünf Mona­te nach Bech­ters Tod pro­vi­so­risch ein­ge­weiht, muss­te noch wei­te­re 8 Jah­re auf ihre Fer­tig­stel­lung warten.

Für den Bau der Kir­che wur­de 1841 ein Kos­ten­vor­anschlag von 40.000 Gul­den erstellt, nach Been­di­gung sol­len 60.000 Gul­den errech­net wor­den sein. Vom Kir­chen­volk wur­de ein schier unüber­wäl­tig­ba­res Maß an Arbeits­ein­satz ver­langt. Sand und Kies muss­ten in der gut 2 Kilo­me­ter ent­fern­ten Sub­er­sach geschöpft und mit Eimern von Hand zu Hand bis zur Bau­stel­le wei­ter­ge­reicht wer­den. Neben dem wirt­schaft­li­chen Auf­schwung blieb aber Bech­ter von per­sön­li­chen und öko­no­mi­schen Schick­sal­schlä­gen nicht ver­schont. Sei­ne Frau ver­starb 1835, als die noch leben­den 6 Kin­der zwi­schen 4 und 18 Jah­re alt waren (ins­ge­samt kamen 15 Kin­der zur Welt). Min­des­tens ein Mal wüte­te die Maul- und Klau­en­seu­che zwi­schen 1838 und 1841 auch in Bech­ters gro­ßen Vieh­be­stän­den; der Käse­han­del wur­de aus seu­chen­hy­gie­ni­schen Grün­den unter­sagt, es fan­den kei­ne Vieh­märk­te statt. Im Juli 1841 wüte­te ein Sturm, dem min­des­tens 100.000 Bäu­me zum Opfer fielen.

werkraum krone

Früher war gestern …

(ent­nom­men aus dem Buch werk­raum krone)

1930 kauf­ten die Brü­der Oskar und Wal­ter Nat­ter, in deren Besitz sich bereits die Post in Bezau befin­det, die Hit­ti­s­au­er Kro­ne von der Fami­lie Läs­ser aus Alber­schwen­de. Bald dar­auf tei­len sich die Brü­der die Häu­ser auf, und Wal­ter (1899 bis 1971) über­nimmt die Kro­ne. Aus der Küche der Post holt er sich eine ver­sier­te Köchin …

Es kommt, wie es kom­men muss, und man fei­ert Hoch­zeit. Appo­lo­nia, genannt Plo­ne (1907 bis 1980) reiht sich ein in die Lis­te der pro­mi­nen­ten Kro­nen­wir­tin­nen. Auf Wunsch ihres Gat­ten trug sie übri­gens jahrein-jahraus die Bre­gen­zer­wäl­der Tracht, selbst im Som­mer bei der schweiß­trei­ben­den Arbeit am gro­ßen Holzherd.

1934 kommt Toch­ter Eri­ka zur Welt. Bald ist sie als rech­te Hand ihrer Mut­ter über­all in der Kro­ne anzu­tref­fen. Noch bevor ihr drei Jah­re jün­ge­rer Bru­der Her­bert das Haus über­nimmt, amtiert sie eini­ge Zeit lang als Kronenwirtin.

Lang­sam kommt das Geschäft nach dem Krieg wie­der in Fahrt. An den Sonn­ta­gen fül­len sich die Stu­ben zum Früh­schop­pen. Man trinkt Limo­na­de, Fla­schen­bier (Fäs­ser lie­fert die Braue­rei nur an hohen Fest­ta­gen), Wein: Kal­te­rer, Lag­rein Kret­zer, Gum­polds­kirch­ner. Kriegs­flücht­lin­ge aus dem Osten logie­ren im drit­ten Stock, ab und zu gibt es eine Hoch­zeit, einen Leichenschmaus.

1947/48 ers­te Bäl­le: die bes­se­ren Herr­schaf­ten fah­ren im Schlit­ten vor, Stall­knech­te span­nen aus, ver­sor­gen die Ros­se, im gro­ßen Kro­nen­saal über dem Stall (heu­te Hotel­trakt) wird getanzt, in den Stu­ben geschmaust: Schnit­zel, Schweins­bra­ten, Hack­bra­ten, Brat­würs­te mit Sauer­kraut. Die Ver­sor­gung mit regio­na­len Pro­duk­ten war damals mehr als ein Marketing-Schlagwort: es war eine not­wen­di­ge Selbstverständlichkeit.

Mit­te der 1950er Jah­re wur­de das Herrren- und das Süd­ti­ro­l­erzim­mer zu einem Spei­se­saal umge­baut. 1952 ent­steht aus dem Gerä­te­schup­pen im hin­te­ren Teil der Kro­ne der Saal: hier fin­den die berühm­ten Mittwoch-Tanzabende statt – über Jah­re hin­weg die wich­tigs­te Part­ner­bör­se des Vor­de­ren Bregenzerwaldes.