Kulinarik im Bregenzerwald:
Kronen-Chefkoch
Michael Garcia Lopez
über seine Kochphilosophie


Warum kochst du?
Weil ich nix anderes gelernt habe (lacht). Ich habe als Kind schon gerne gekocht. Meine Mutter kommt aus dem Bregenzerwald und ist Kochlehrerin, mein Vater ist aus Spanien – daher kommt wohl auch meine Einstellung, dass Essen mehr sein sollte, als nur Nahrungsmittelaufnahme. Als Koch kann ich bewirken, dass Leute beim Essen gesellig sind und zusammenfinden. Das ist für mich eine wunderbare Aufgabe!
Was gehört zu deinen Lieblingsaufgaben?
Alles was lange dauert, z.B. Bäckle einschmoren oder Saucen – ich liebe es, wenn man zuschauen kann, wie sich ein Gericht entwickelt.
Und ich habe es sehr schätzen gelernt, ganze Tiere zu verarbeiten. Wenn z.B. auf Ostern hin ein Landwirt aus der Region Lammfleisch anbietet, nehmen wir das Tier als Ganzes, damit wir wirklich alles verwenden können: die sogenannten Edelteile zum rosa Einbraten, die Keulen als Braten, den Bauch zum Schmoren, den Zuputz verwenden wir für Lamm-Hacklaibchen und den Rest für Jus – also Sauce. Auch die Innereien verarbeiten wir gerne – da übernehmen wir gerne auch mehr: Eine Lieferantin aus Schwarzenberg meinte, sie kann in vielen Hotels nur die Edelstücke verkaufen – das hat uns gestört!
In meiner Laufbahn ist die Krone der erste Betrieb, in dem man ganze Tiere verwertet. Es ist wichtig, gut mit den Landwirten, die Fleischwirtschaft machen, zusammenzuarbeiten – sonst gibt es bald kein gutes, leistbares Angebot aus der Region mehr – dabei klingt 100% Wertschöpfung für die Region doch nach einem guten Ziel, oder?

Was sind deine drei Lieblingswerkzeuge?
Mein Tourniermesser, mein Mörser und klarerweise: meine Hände.
Der Mörser ist ideal für Gewürze, Kräuter und Samen die ich für Marinaden und Beizen brauche. Das Tourniermesser verwende ich für sehr Vieles, z.B. zum Gemüsezuputzen, das ist eine fast meditative Arbeit, aber auch zum Schälen von Ingwer, Knoblauch und dergleichen.
Meine Hände brauche ich für alles, „ohne Zubehör“ – sie sind viel im Einsatz als Test- und Messinstrument, zum Ravioli machen brauch ich sie auch ganz unmittelbar, aber ich habe eigentlich so gut wie immer ein Messer in den Händen.
Was freut dich beim Kochen?
Mich freut es ganz einfach, wenn wir ein gutes Essen zum Gast schicken können: Fleisch am Punkt, Beilagen so gewürzt, dass es ohne viel „Ver-Arbeitung“ ein stimmiges Ganzes gibt – heute z.B. war das Bodensee-Zanderfilet mit Pinienkernspinat und Krenkartoffelpüree – da ergänzen sich die einzelnen Dinge ideal. Ein Bonus-Moment, der mich enorm freut, ist, wenn alles passt: Timing, Konsistenz, Geschmack. Zum Glück schaffen wir das recht oft…
Großartig finde ich auch, wenn man Schmorgerichte ansetzt… und nach 3 Stunden ist das Ergebnis so wie es sein soll: das ist für mich immer der Beweis, dass die Grundzutaten stimmen und zuvor schon sorgfältig gearbeitet wurde – ohne einreduzierten Jus klappt das zum Beispiel nicht.
Wie würdest du deinen Kochstil beschreiben?
Also ich kann sehr gut mit den 7 Grundsätzen der Kronenküche.
Ein Erlebnis war auch sehr prägend: 2015 habe ich in der Zwischensaison im Tantris München, das 2 Michelin Sterne hat, ein Praktikum gemacht. Von dort aus bin ich mit Beate (Restaurantleiterin der Krone) und Sigrid (damalige Souschefin im Tantris & jetzige Inhaberin des Werneckhof in München) essen gegangen – zu Klaus Erfort nach Saarbrücken, der hat 3 Michelin Sterne.
Es gab 15 Gänge, alles ganz wunderbar, aber am beeindruckendsten war für mich ein Zwischengang. Der war eigentlich fast banal: Karottengemüse und warmer Ziegenkäse mit Trüffelspänen und -jus.
Da dachte ich: „Das ist es: man muss nicht überverarbeiten, aber sorgsam kombinieren.“
Das hat sich eingebrannt – ich versuche also mit wenigen Sachen stimmig zu sein, unverfälscht.

